ANAR

Austrian Network Against Racism

 

 

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Jahresbericht 2001-2002

"Integrationsvertrag" ? ... Nicht mit uns !

Anti-Diskriminierungs-Paket

Jahresbericht 2000-2001

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(last update 13.06.02)

 

Jahresbericht des Austrian Network Against Racism
ANAR
Zeitraum Juli 2001 bis April 2002

Historischer Hintergrund

In Österreich sind die Voraussetzungen für die Erzeugung gesellschaftlicher Bewegung gegen Rassismus ziemlich ungünstig. Sehr alte Traditionen von Antisemitismus, Rassismus bis hin zu neueren Entwicklungen wie Islamfeindlichkeit gibt es auch in anderen Staaten. Besonders österreichisch ist allerdings der historisch durchgängig erhaltene Antislavismus, der bis heute öffentlich auch auf der Ebene der EntscheidungsträgerInnen erhalten ist (siehe Temelin-Volksbegehren, Ortstafelstreit, Serbenfeindschaft, usw.); im Gegensatz zu Deutschland, wo die Feindschaft gegen "die Polen" keine nennenswerte Rolle mehr spielt. Dazu kommt der spezifisch österreichische Umgang mit der NS-Tradition, deren konstitutives Element der Rassismus war. Um die rassenhygienischen und sozialtechnokratischen Programme konstituierten sich die Träume der Humangenetik, die von den Nazis als Verbindung von rassistischer Artikulation und technischer Rationalität umgesetzt wurden. Dabei gingen biologistische und kulturalistische Aspekte stets Hand in Hand. Die "Arier" wurden als Kulturgründer und "die Juden" als Kulturzerstörer stilisiert. Im Vergleich dazu hat das rassistische Moment im Faschismus italienischer oder französischer Prägung nur eine Nebenrolle gespielt.

Nach dem zweiten Weltkrieg nutzte die politische Elite Österreichs die NS-Geschichte legitimatorisch und staatsbildend aus, indem Österreich als erstes Opfer der nationalsozialistischen Expansionspolitik ausgegeben wurde. Gerade durch die Kreation des Opfermythos gelang es auch, die Mittäterschaft zu verleugnen und MittäterInnen in die neuen politischen Strukturen zu integrieren. Den aus dieser Integrationsleistung resultierenden starken politischen Traditionslinien, die nicht nur in der FPÖ ihren Ausdruck finden, steht nichts Gleichwertiges - nicht einmal ein ausgeprägt liberales Bildungsbürgertum - gegenüber. Von der Gegenreformation über den Metternichschen Polizei- und Spitzelstaat bis zum Austrofaschismus und zum Nationalsozialismus existiert in der Geschichte Österreichs eine Kette von Perioden, in denen kritische Diskurse, Politiken und emanzipatorische Bewegungen immer wieder erfolgreich systematisch unterdrückt und die politisch Denkenden verfolgt, vertrieben oder getötet wurden.

Kein einziges Mal hat es im Gegensatz zum Rest der "westlichen" Welt in der österreichischen Geschichte so etwas wie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Auch die nach dem zweiten Weltkrieg quasi oktroierte Demokratisierung hat nichts daran geändert, dass sich Politik hierzulande hauptsächlich in tendenziell undemokratischen technokratischen und interventionistischen Formen vollzieht und Gewaltenteilung (insbesondere zwischen Gesetzgebung und Verwaltung) nur formal existiert.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten fehlt der breiten Mehrheit der Bevölkerung hierzulande jegliches subversive Gedächtnis, eine Erinnerung an die Herausforderbarkeit und Anfechtbarkeit von Herrschaftsverhältnissen. Der Erstickung und Passivierung von politischer Aktivität durch bürokratische Verwaltungsapparate (inklusive Gewerkschaften und Parteien) sind seit dem nationalistischen Schwenk der sozialistischen Partei im ersten Weltkrieg (Abstimmung für die Kriegskredite 1914) in nennenswertem Umfang und weit abgedrängt von den Gremien der allgemeinverbindlichen Struktursetzung nur noch subversive Ansätze im Bereich des Kunstschaffens (östrreichischer Aktionismus, Anti-Heimat-Literatur) entgegengetreten. Auch die Impulse, die in Österreich von der StudentInnenbewegung von 1968 ausgingen, sind nur in sehr abgemilderter Form in den Kernbereich des Politischen vorgedrungen.

Ausgehend von antirassistischen Subkulturen (BetreuungsNGOs, MigrantInnen-Selbstorganisatioen und politischen Gruppen) wurde nach Jahren der Stillhaltung im Anschluss an das Lichtermeer 1993 Ende der 90er Jahre ein neuer emanzipatorischer Anlauf gegen Rassismus gestartet. Marksteine waren die Gründung von ANAR, die Proteste gegen die Tötung von Marcus Omofuma und die vielfältigen Aktivitäten gegen die schwarzblaue Regierung. Erste Erfolge dieses Anlaufs sind die Zurückdrängung und Delegitimation des sogenannten moralischen Antirassismus in NGO-Kreisen. Nach 3 Jahren Arbeit ist es in der antirassistischen Szene weitgehend Konsens, dass Rassismus gesetzliche Verankerungen hat und nicht nur ein moralisches Übel bzw. eine individuelle Krankheit/ Fehlleistung darstellt. Die bloß moralische Anklage des Rassismus hat den rassistischen Struktursetzungen (nach dem Motto "Gesetze statt Hetze") bis zu einem gewissen Grad sogar den Weg geebnet. So wurde in den 90er Jahren von einer Koalition aus SozialdemokratInnen und Konservativen Gesetze entlang der Vorgaben des offiziell verdammten freiheitlichen sogenannten Ausländervolksbegehrens geschaffen. Damit wurde auch der Boden für die rechte Regierungsübernahme des Jahres 2000 bereitet. Politische Linie von ANAR

Das Austrian Network Against Racism (ANAR) ist in einen Prozess der politischen Rassismusbekämpfung eingetreten. Mittels empowerment und networking v.a. mit kleineren MigrantInnen-Organisationen werden die diskursiven Positionen des politischen Antirassismus verbreitet und wird zur Erzeugung von gesellschaftlicher Bewegung gegen Rassismen beigetragen. Networking ist wie Teppichknüpfen. An den Rändern des durch intensive interne Kommunikation dichten horizontalen Geflechts des antirassistischen Netzwerks werden ständig neue Informationskanäle wie Fäden ausgelegt. Je nach politischer Konjunktur mit mehr oder weniger Attraktivität verdichten sich die Fäden zu Diskursen und gemeinsamen diskursiven Positionen.

Die Positionen des politischen Antirassismus breiten sich seit 1998 vorwiegend in der antirassistischen Szene aus. Im Rahmen der Protestbewegung gegen die rechts-rechtsextreme Regierung konnte diese Position eine weitere Verbreitung finden. Antirassismus hat in den letzten beiden Jahren eine deutlich gesteigerte Bedeutung im kritisch-emanzipatorischen Spektrum der Zivilgesellschaft erlangt.
Die vielfältige Öffentlichkeitsarbeit, die von den in ANAR lose zusammenarbeitenden NGOs und Gruppen betrieben wird, konzentriert sich kaum auf das politische Rechtsaußen oder auf deklarierte RassistInnen. Vielmehr zielt die Öffentlichkeitsarbeit vorwiegend auf den nationalstaatlich verfassten rassistischen Konsens der politischen Mitte. Die politische Mitte will von ihrem Selbstverständnis her nicht rassistisch sein und muss daher in die Auseinandersetzung über die neue Definition von Rassismus einsteigen. Fokus für die Öffentlichkeitsarbeit bilden bestimmte Konflikte rund um das Agieren, das Zögern oder Nichtagieren gegen Rassismen. Dabei erfolgt der Angriff seitens der antirassistischen Gruppen v.a. im Protest gegen rassistische Strukturen, im Absprechen von Legitimität oder Seriosität des antirassistischen Tuns oder in der Vorhaltung, dass bestimmte antirassistische Ansprüche nicht eingelöst wurden.
Durch die politische Einbringung der Position der NichtbürgerInnen im Nationalstaat als neue AkteurInnen kommt es nicht nur zu einer thematischen Erweiterung sondern zu einer Umformung der gesamten politischen Landschaft und damit des Politischen per se. Kehrseite dieser Einlassung der vergleichsweise schwachen neuen AkteurInnen in die Auseinandersetzung mit den etablierten Kräften ist die Gefahr der Instrumentalisierung, der Legitimations- und Akzeptanzverschaffung für die ach so aufgeschlossenen und bemühten VertreterInnen der bestehenden Ordnung. Dementsprechend heikel und umstritten ist die Ausgestaltung des Verhältnisses zu Parteien und bestehenden Interessengruppen.


Demokratisierung und equality targets spielen im Inneren des Netzwerkes eine große Rolle, um nach außen hin legitim auftreten zu können. Ganz zentral war im Bereich der Repräsentation der Schritt des Aufbaus von legitimen Sprechpositionen von MigrantInnen und die Verdrängung der nicht diskriminierten StellvertreterInnen durch "organische Intellektuelle".

 

Das Netzwerk


Durch die Fülle der Aufgaben entstehen in organisatorischer Hinsicht neue Netzwerk-Knoten (kleine, sich mehr oder weniger personell überschneidende Arbeitsgruppen mit funktionalen Schwerpunkten) (bzw. werden bestehende Organisationen zu einem Teil des Netzwerks). Die Knoten ziehen bunt arbeitsteilig einigermaßen am selben Strang. Von ihnen ausgehend werden neue Fäden zu neuen potentiellen Verbündeten gesponnen.


Die Nutzung des Internet zum Aufbau von schnellen Informationssystemen ermöglicht auch die effiziente Anbindung an transnationale policy- und lobbying-Netzwerke. Mit der Größe des Netzwerkes wachsen die Rückkoppelungs- und Synergieeffekte. Dabei wuchert das Netzwerk nicht chaotisch vor sich hin, sondern wird über mehrseitig offene Informationskanäle, dadurch mögliche Interessenintegration und (nur für InsiderInnen) transparente Entscheidungsprozeduren "weich" gesteuert.


Solchermaßen entwickelt sich abseits des institutionell verankerten hegemonialen Arrangements eine Gegenmacht, die nicht auf Representation sondern auf Partizipation beruht. Damit treffen zwei vollkommen unterschiedliche Konzepte von Demokratie aufeinander, was ständig für Konfliktstoff sorgt. Obwohl das Netzwerk die Einmischung in politische Prozesse betreibt, kann es niemals zu einem neuen systemischen politischen Gegengewicht im Sinne des Gewaltenteilungkonzepts werden. Niemand kann für das gesamte Netzwerk sprechen. Bisher sind alle Initiativen zur Gründung einer (antirassistischen) MigrantInnen-Partei abgelehnt worden. Vielmehr betreibt das Netzwerk eine sukzessive Unterminierung staatlich-hierarchischer Steuerung, indem es der Hierarchie langsam die Gefolgschaft abgräbt. ANAR arbeitet dafür, dass dieser Prozess in Richtung Emanzipation und Selbstverantwortung weitergeht und letztendlich Früchte im Sinne effektiver Gegenmacht tragen wird.


Dabei gilt es, das enge Korsett der Identitätspolitik zu verlassen. Ein Ergebnis dieser Überwindung sind neu entstehende Koalitionsmöglichkeiten unter bislang getrennt agierenden Gruppen, auch außerhalb des unmittelbar dem Antirassismus verschriebenen Spektrums. Der Einfluss der Wiener Wahl Partie auf den Wiener Wahlkampf 2001 zeigt, wie erfolgreich die politisierte KünstlerInnenschaft, die Kulturszene, die Organisationen für eine "minoritäre Allianz", die niedrigschwelligen sozialarbeiterischen Jugendeinrichtungen und die politisch antirassistische Strömung in den neuen Netzwerkstrukturen zusammenarbeiten können.

 

Antirassistische Konfrontationen

ANAR-Tirol
ANAR-Tirol hat im vergangenen Jahr insbesondere 2 Aktionen in Angriff genommen. Zum einen wurde offiziell beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes Tirol eine Inspektion der Flüchtlingsheime angekündigt und auch durchgeführt. Nach dieser fact finding mission wurde der Flüchtlingsbeauftragte aufgrund der Misstände öffentlich angegriffen, konnte aber nicht zum Rücktritt bewegt werden. Kritisiert wurde v.a. die Isolation von Flüchtlingen innerhalb Österreichs durch Dezentralität der Flüchtlingslager gleichbedeutend mit Verhinderung des Zugangs zur Integrationsinfrastruktur in den Städten.
Zweitens hat ANAR-Tirol im abgelaufenen Jahr ein Radioprojekt im freien Radio Tirol aufgebaut. Bei "Radio Freirad" sollen ebenfalls v.a. Flüchtlinge eine Basis für politische Artikulation erhalten.

ANAR-Koroska
ANAR-Koroska ist in den Prozess der Überregionalisierung eingetreten. Das Friedenshaus in Galizien ist nur mehr ein Standort von ANAR-Koroska, das sich selbst nunmehr gleichsam als Organisation für ein zehntes österreichisches Bundesland versteht und dementsprechend nicht nur in Kärnten sondern auch in Niederösterreich (v.a. Amstetten) agiert. ANAR Koroska hat sich insbesondere im mobilen Einsatz bei Behörden im Rahmen der Aktion "Racism Buyout" engagiert.

(ANAR) Oberösterreich
In Oberösterreich wurde die Anbindung an ANAR durch die Anbahnung einer Kooperation im Rahmen eines EQUAL-Projekts von Wiener Gruppen gemeinsam mit MAIZ in Linz vorangetrieben. Eine "reguläre" Regionalgruppe von ANAR in Oberösterreich (mit VertreterInnen von mehreren NGOs) hat sich jedoch noch nicht entwickelt.

ANAR-Wien
ANAR-Wien war nach dem Ende der Wiener Wahl Partie im März 2003 nach außen hin nur durch vereinzelte diskursive Interventionen aktiv. Die politische Arbeit der ANAR-AktivistInnen hat sich insbesondere auf den neuen Zusammenschluss "Österreich Für Alle Gleich" (ÖFAG) und auf die "Plattform für eine Welt ohne Rassismus" verlagert. ÖFAG hat sich insbesondere um eine Koordination der Aktivitäten gegen den sogenannten "Integrationsvertrag" bemüht. Dieser "Integrationsvertrag" sieht Zwangsdeutschkurse für MigrantInnen samt Geldstrafen und Abschiebedrohung bei Nichtbestehen der Prüfungen vor. Dagegen hat auch die Wiener Integrationskonferenz eine Resolution verabschiedet (siehe http://www.no-racism.net/ANAR/integrationsvertrag/index.htm). ÖFAG hat die Mobilisierung der MigrantInnenvereine in dieser Angelegenheit vorangetrieben.
Die Plattform Für eine Welt ohne Rassismus hatten ihren Aktivitätshöhepunkt im Berichtszeitraum zunächst rund um die Proteste zur Freilassung der "Volxtheaterkarawane" im Juli und August 2001 und danach im März und April 2002 anlässlich des Prozesses gegen die 3 Fremdenpolizisten, denen die Tötung von Marcus Omofuma zur Last gelegt wurde. Dabei wurden alle 11 bisweilen ganztägigen Gerichtstermine von mitschreibenden ProzessbeobachterInnen besucht. Das Verfahren wurde solchermaßen detailiert dokumentiert und der Öffentlichkeit (v.a. den JournalistInnen, die nicht immer beim Prozess sein konnten) via http://www.no-racism.net/racismkills/index.htm zugänglich. Anlässlich der Gerichtstermine gab es mehrere Aktionen, die parallel zur Dokumentation das Presseecho zu diesem Prozess verstärkt haben.

ANAR-homepage
Obwohl im Berichtszeitraum erste Entwürfe für eine eigene homepage von ANAR erstellt und diskutiert wurden, mangelte es doch an Arbeitskraft, um diese Entwürfe dann zum Leben zu erwecken. So hat sich innerhalb von no-racism.net nur ein Teilbereich einer ANAR-homepage, nämlich zum Thema "Integrationsvertrag" entwickelt (siehe oben). Allerdings sehen die AktivistInnen diesen Umstand nicht besonders negativ, denn es gibt keine wirkliche Markt- und Informationslücke im antirassistischen Feld, die durch eine ANAR-homepage dringen zu füllen wäre. Der gesamte virtuelle Raum von no-racism.net, zu dem ANAR-AktivistInnen ständig beitragen, hat mittlerweile gewaltige Dimensionen angenommen und ein großes LeserInnenpotential.

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Bericht über die Aktivitäten von ANAR
Austrian Network against Racism
Mitglied von ENAR - European Network against Racism
1.1.2000 bis 30.6.2001


Erstes Halbjahr 2000 -Rückblick auf die Entstehung von ANAR

Gründung von ANAR
Die Geschichte des Austrian Network Against Racism (ANAR) reicht bis in die Mitte der 90er Jahre zurück. Die ersten Impulse zu einer solchen österreichweiten Vernetzung kamen vom Europäischen Dachverband ENAR in Brüssel, der sich nationale Roundtables in den Mitgliedsstaaten der EU schaffen musste. Entsprechende Gründungsbemühungen wurden in Österreich zunächst von SOS-Mitmensch und verschiedenen Beratungseinrichtungen vorangetrieben. Deren vordringliches Bestreben bestand v.a. darin, ein von den Wohlfahrtsverbänden (Caritas, EFDÖ und Volkshilfe) finanziertes und somit vom Staat einigermaßen unabhängiges Sprachrohr für antirassistische Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen. In dieser Konzeption spielte die Einbindung der Organisationen der rassistisch Diskriminierten, die sich verstärkt Ende der 90er Jahre für die österreichische Politik zu interessieren begannen, eine sekundäre Rolle.
Dementsprechend wurde die Geschichte der Gründung von ANAR von einem zentralen Konflikt beherrscht. Der erste Gründungsversuch im Rahmen einer eigens dazu einberufenen österreichweiten Versammlung von antirassistischen Gruppen in Salzburg im März 1999 wurde von NGOs unternommen, denen zum damaligen Zeitpunkt mehrheitlich keine oder kaum rassistisch diskriminierte Personen angehörten. Aufgrund der Einmischung von Organisationen von MigrantInnen, die ebenfalls ein Interesse an der Bildung eines österreichweiten Netzwerkes hatten, scheiterte die Gründung 1999 vorläufig und musste auf das Jahr 2000 verschoben werden. Im Rahmen dieses Konflikts wurden die Equality Targets zu einem Leitmotiv von ANAR.

Equality Targets
Zur Bekämpfung von Ungleichheit in der Gesellschaft sind Equality Targets selbstgegebene Zielsetzungen zur Umverteilung von Ressourcen, Positionen, Funktionen und Legitimationen von den privilegierten hin zu gesellschaftlich schwächeren und diskriminierten Gruppen. Equality targets beziehen sich auf die alltäglichen kleinen ebenso wie auf die seltenen "großen" Verteilungsentscheidungen im eigenen Einflussbereich: Sei es ein bewußtes Konsumverhalten und gezielte Ausgaben und Auftragserteilungen an bestimmte Firmen, die Diskriminierten gehören, oder wo verstärkt Diskriminierte eingestellt werden. Sei es die Vergabe von Arbeitsaufträgen und von Positionen in der eigenen Organisation selbst. Seien es seltenere Personal-, Ausbildungs- und Delegationsentscheidungen, Publikationsmöglichkeiten in Zeitschriften oder öffentliche Auftritte. Auf allen Ebenen fallen ständig Entscheidungen, mit denen eine Organisation etwas verteilt, über das sie selbst verfügt.
Equality Targets sind eine "Weiterentwicklung" der Quotenregelungen, die sich im Rahmen der wechselhaften Entwicklung von Organisationen als ein zu starres Instrument bei der Bekämpfung von Ungleichheit erwiesen haben. Quotenregelungen basieren auf der Idee, dass eine bestimmte Quote, ein bestimmter Anteil an freiwerdenden Arbeits- oder Ausbildungsplätzen "Angehörigen" von bestimmten vordefinierten diskriminierten Gruppen vorbehalten und mit diesen besetzt werden soll. Equality Targets sind zwar ebenfalls Mechanismen der Bevorzugung, allerdings sind sie nicht wie Quotenregelungen auf bestimmte Bereiche arithmetisch beschränkt. Equality Targets basieren auf der Sondierung der eigenen Möglichkeiten zur Vergabe von Ressourcen mit gesellschaftlich gleichheitsfördernder Wirkung. Quotenregelungen beziehen sich meist nur auf eine bestimmte Gruppe (z.B. den Frauenanteil in einer bestimmten Hierarchieebene). Eine Stellenvergabe im Rahmen von Equality Targets würde sich demgegenüber nicht auf eine bestimmte Gruppe festlegen, sondern eine freie Stelle flexibel vergeben (vorzugsweise an eine Person aus einer diskriminerten Gruppe, die in der Organisation noch nicht vertreten ist). Equality Targets haben die Komplexität der gesamtgesellschaftlichen Diskriminerungen im Auge. Sie beschränken sich nicht auf die seltene Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Vielmehr suchen sie ständig nach Möglichkeiten, in alltäglichen Entscheidungen Impulse in Richtung Gleichheit zu setzen. Nicht diskriminierte Personen sind im Rahmen der unbezahlten Arbeit willkommen. Bezahlte Jobs im NGO-Bereich sollen vorzugsweise an Diskriminierte vergeben werden. Für neue Projekte gilt also, dass Nicht-Diskriminierte nur in zweiter Linie Aufnahme in bezahlte Positionen finden können.
Die Idee der Equality Targets wirkt auch im Bereich der internen Weiterbildung von ANAR. Z. B. wächst im Rahmen des ANAR das Bewusstsein dafür, dass für Sitzungen zuwenige rollstuhlgerechte Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Die Equality Targets bilden einen Ansatzpunkt für Diskussionen über das eigene diskriminierende Verhalten im Rahmen diskriminierender Strukturen und den bewußten Umgang damit.

ANAR-Entwicklung
Nicht umsonst wurden die Equality Targets gerade in der antirassistischen Szene zum Konfliktpunkt. Zum Auffangen der mit der Einwanderung verbundenen Probleme wurden vom Staat in erster Linie Beratungsstellen finanziert, in denen - der rassistischen Logik folgend - sich zunächst insbesondere "Einheimische" in den Beratungspositionen und v.a. in den Leitungspositionen etablieren konnten. Diese erste Generation antirassistischer NGOs wurde Ende der 90er Jahre von den damals noch unsubventionierten Organisationen der MigrantInnen und jenen subventionierten NGOs herausgefordert, in denen MigrantInnen bereits verantwortliche Positionen übernommen hatten.
Heute - zwei Jahre nach dem Konflikttreffen in Salzburg - haben sich die Wogen einigermaßen geglättet. Nach einem anfänglichen inoffiziellen Rückzug der etablierteren NGOs aus dem ANAR, wurde dieses in der ersten Zeit v.a. von der zweiten Generation der antirassistischen NGOs aufgebaut. Eine formelle Gründung von ANAR als Netzwerk (jedoch nicht als Verein und demzufolge ohne eigenen Rechtsstatus) erfolgte im Juli 2000 in Innsbruck.

Treffen in Innsbruck im Juli 2000
In Innsbruck hat die Vernetzung von antirassistischen Organisationen mit ANAR im Rahmen der Aktionen gegen den Jahrtausendkommers der rechten Burschenschaften im Mai 2000 stattgefunden. Diese Aktivitäten und das Bemühen um eine Ausweitung und Dezentralisierung der Aktivitäten von ANAR in den Bundesländern waren Anlass für das Treffen in Innsbruck.
Die Kernzellen der ANAR-Vernetzung bilden die Regionalkreise in verschiedenen Bundesländern, wobei sich allerdings gezeigt hat, dass sich die Organisierbarkeit rund um antirassistische Inhalte bisher v.a. auf den städtischen Raum (Wien, Innsbruck, Salzburg, lose Kontakte nach Linz, Graz und Klagenfurt) beschränkt hat. Mit der formellen Gründung von ANAR und der Besetzung der öffentlichkeitswirksamen Positionen mit MigrantInnen beginnt sich die Idee der Equality Targets weiter zu verbreiten und erhöht damit langsam den Legitimationsdruck auf alle antirassistischen Organisitionen, rassistisch Diskriminierte in Entscheidungspositionen aufzunehmen.

Wiener Integrationskonferenz
Eine der bisher wesentlichsten politischen Leistungen von ANAR in Wien, die durch die Zusammenarbeit der Vereine möglich wurde, war die Politisierung der Wiener Integrationskonferenz (IK). Die IK ist ein Forum, bei dem ein- bis zweimal im Jahr vom Wiener Integrationsfonds (WIF) ca. 130 MigrantInnenorganisationen zusammengerufen werden. Die IK ist somit derzeit das größte Gremium der antirassistischen und MigrantInnenorganisitationen. Durch die Vielfalt und Vielzahl der dort vertretenen Organisationen eignet sich dieses Gremium für eine ansatzweise Herausbildung von Mechanismen der gemeinsamen Willensbildung, zumindest im Verhältnis zur migrantInnenbezogenen Politik der Gemeinde Wien. Von den politisch Verantwortlichen war die Integrationskonferenz mehr als harmloses Forum des Informationsaustausches mit den NGOs und der Legitimation durch Dialog gedacht. Auf Initiative von ANAR-Wien wurde bereits im Vorfeld der ersten IK im November 1999 die Tagesordnung angegriffen und über schriftliche Anträge bei der Konferenz ein politischer Prozess ausgelöst, der auf die Einrichtung einer auch stimmenmäßig relevanten Position im Kuratorium des WIF abzielt. Diese Auseinandersetzung zur Etablierung von 7 statt nur 3 (ursprünglich nur 1) stimmberechtigten RepräsentantInnen der Integrationskonferenz im Kuratorium dauert bis heute an.

widerst@nd! - MUND
Die Kommunikation und Informationsverteilung über Mailinglisten war von Anbeginn an ein wesentliches Instrument der Vernetzung im Rahmen von ANAR. Durch den stetigen Aufbau und die Zusammenlegung von Adressverteilern mehrerer befreundeter Organisationen wurde es möglich, im Jahr 1999 wöchentlich eine Aussendung der aktuellen Termine im Antirassismusbereich zu etablieren. Aus diesem innovativen Konzept der Zusammenfassung von eingesendeten messages zu einem längeren mail an einen größtmöglichen Bereich von InteressentInnen wurde zur Zeit der Regierungsumbildung (Anfang 2000) ein regelrechtes E-mail-Medium mit dem Namen widerst@nd! - MUND (Medien-Unabhängiger NachrichtenDienst; siehe http://www.no-racism.net/MUND). Mit dieser Verbreitungsmöglichkeit - täglich wird der widerst@nd! - MUND dezentral ca. an 3.000 Adressen verschickt - wurde ANAR in die Lage versetzt, diskursiv in den weiteren Bereich der regierungskritischen Zivilgesellschaft auszustrahlen und entsprechende emanzipatorisch antirassistische Positionen hörbar zu vertreten.

(Bericht: Andreas Görg)


Weitere Aktivitäten von ANAR 2000-2001

ANAR-Verteiler und homepage
Neben dem MUND (s.o.) gibt es derzeit einen E-mail-Verteiler für die ANAR-Mitgliedsorganisationen (anar.wien@no-racism.net), der rund 300 InteressentInnen erreicht. Ein weiterer Verteiler ist für die koordinierenden Personen/Organisationen (rund 30 Adressen) unter anar.koordination@no-racism.net eingerichtet.
ANAR hat für die Einrichtung einer eigenen Web-Site den Domain-Namen www.anar.at reservieren lassen. Im Mai 2001 wurde ein erster graphischer Entwurf für die Web-Site erstellt, aber bis dato noch nicht umgesetzt.

Vernetzungstreffen und interne Weiterbildung
Im Lauf der Jahre 2000/2001 fand im Rahmen der Wiener ANAR-Vernetzungstreffen laufend eine interne Weiterbildung durch gezielte Auseinandersetzung (mit Impulsreferaten) zu Theorie, Selbsterfahrung mit Rassismus, Equality Targets, Kompensation, Religionsfreiheit und anderen Themen statt (s.u.)

Vernetzungstreffen von ANAR (Wien)
21.1.2000 Erstes Treffen einer Arbeitsgruppen der Integrationskonferenz zum Thema "Politische Partizipation" (weitere Arbeitsgruppen wurden zu den Themen "Bildung" und "Wohnen" ins Leben gerufen), um die Arbeit der Integrationskonferenz zu vertiefen. Treffen im WIF. (Unter-)Arbeitskreise zu folgenden Themen entstehen: Rechtliche Rahmenbedingungen, Wahlrecht, Staatsbürgerschaft.
17.2.2000 Treffen der Untergruppe "Antidiskriminierungsgesetz" im ICAP
21.2.2000 Treffen der Untergruppe "Wahlrecht" im WIF
Juli 2000 Österreichweites Treffen von ANAR in Innsbruck, organisiert von der AusländerInnen-Beratungsstelle Innsbruck.
6.8.2000 Plenum der RepräsentantInnen der Integrationskonferenz für das Kuratorium des Wiener Integrationsfonds
17.8.2000 Treffen der RepräsentantInnen der Integrationskonferenz, Lobbyarbeit, Nominieren von ANAR-Delegierten für den Besuch bei den "3 Weisen" in Heidelberg
13.9.2000 Themen: Berichte aus den Bundesländern, Vorbereitung der Teilnahme von ANAR-Mitgliedern an den Widerstandstagen in Klagenfurt ("Offenes Kärnten - offenes Europa" vom 26.-28.10.2000), Bildung einer Medienaktionsgruppe von ANAR, Bericht über den Besuch dreier ANAR-Mitglieder bei den "3 Weisen" in Heidelberg
2.10.2000 Treffen der Arbeitsgruppe "Antidiskriminierungsgesetz" im Wiener Integrationsfonds
11.10.2000 "Weiterbildungsabend" zum Thema Antirassismus und Vernetzung. Ort: Integrationshaus (Wien)
6.11.2000 Themen: Vorbereitung "Vorständetreffen" in der VHS Ottakring (Wien), Bericht von WIF-Kuratorium,Bericht über ENAR-Aktivitäten, Gründung eines Arbeitskreises zu Kompensationszahlungen.
25.11.2000 "Vorständetreffen": Vorbereitung von gemeinsamen Positionen auf der Integrationskonferenz, geplante Aktionen anlässlich der Wiener Gemeinderatswahlen im März 2001
2.12.2000 Integrationskonferenz: organisiert vom Wiener Integrationsfonds. Anträge der Integrationskonferenz und Diskussion, Berichte aus den Arbeitskreisen Bildung, Politische Partizipation, Wohnen. Präsentation der Vorhaben des WIF.
20.12.2000 Themen: Bericht von der Tagung des Europäischen MigrantInnenforums, Wiener Wahlpartie, Kompensationsarbeitskreis, Integrationskonferenz, ENAR-Weiterbildungsprojekt, Bericht von ENAR-Konferenz in Madrid, Bericht über Arbeit am Rassismus-Report von ZARA,
17.1.2001 Thema: EQUAL-Programm des ESF, Brainstorming
31.1.2001 Themen: Kompensation, Wiener Wahlpartie, Wiener Integrationskonferenz; Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit u.a.
7.3.2001 Themen: Teilnahme von ANAR-Mitgliedsorganisationen an der Kampagne "Österreich für alle gleich", Vorbereitung der Kundgebung am 16.3.2001 in Wien unter dem Motto "Gleiche Rechte für alle", Vorbereitung des Studientags "Antirassistische Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit" u.a.
25.4.2001 Themen: Bericht von ENAR-Generalversammlung in Brüssel am 30.3.-1.4.2001, Vorschau auf das Vorbereitungstreffen zur Weltkonferenz in Stockholm (3.-6.5.), Konferenz in Genf (7.-11.5.2001) und United-Treffen in Göteborg (8.-12.6.2001) U:A:
29.5.2001 Themen: Vorstellung des EQUAL-Programms (ESF) und einer Einreichung von ANAR-Mitgliedern zum Schwerpunkt Rassismus, ANAR-Homepage, Finanzen u.a.
20.6.2001 Themen: EQUAL-Einreichungen, Weltkonferenz, Vorbereitung Generalversammlung ANAR am 8./9.9. 2001 in Linz.

Da ANAR in das europäische ENAR-Netzwerk eingebunden ist, nahmen ANAR-VertreterInnen auch regelmäßig an den europäischen Vernetzungstreffen teil, so an der ENAR-Konferenz in Madrid (Herbst 2000), NGO-Forum zur Vorbereitung der WCAR in Straßburg (11.-13.10.2000), ENAR-Generalversammlung in Brüssel am 30.3.-1.4.2001, am Vorbereitungstreffen zur Weltkonferenz in Stockholm (3.-6.5.2001) und Genf (7.-11.5.2001) u.a.

Kompensationsarbeitskreis
Im Vorfeld der UNO-World Conference against Racism 2001 wurde im Herbst 2000 in Wien ein Arbeitskreis zum Thema "Kompensationszahlungen" ins Leben gerufen. Dabei drehte es sich um das Aufgreifen der Idee der afrikanischen NGOs, dass den afrikanischen Ländern für die Verbrechen der Sklaverei und des Kolonialismus Kompensation gebührt. Ein europaweiter Arbeitskreis dazu fand am 10.2.2001 in Wien statt; die erarbeiteten Inhalte wurden weiterer Folge auch in die ENAR-Treffen getragen.

Wiener Wahl Partie (WWP)
Der Wiener Gemeinderatswahlkampf bildete in den ersten Monaten des Jahres 2001 den politischen Schwerpunkt der Arbeit von ANAR. Die Wiener Wahlpartie, getragen von den Organisationen Echo, Gettoattack, Initiative Minderheiten und ANAR, zielte auf die Forderung nach dem kommunalen Wahlrecht für MigrantInnen. Der Focus lag auf der Auslösung eines Diskurses, der die Legitimität der politischen Mitsprache der MigrantInnen behauptet und dementsprechende demokratische Wahlrechte für alle in Wien und Österreich ständig ansässigen Menschen fordert.
Die WWP trat in der Vorwahlzeit (Jänner bis März 2001) mit verschiedensten Aktionen wie z.B. einem "Partiewagen" an öffentlichen Plätzen in Erscheinung; es wurden verschiedene Plakate zu diesem Thema hergestellt und affichiert; eine Sondernummer von "echo" war der Wiener Wahlpartie gewidmet und es wurde eine eigene Web-Site kreiert (http://www.wwp.at). Durch die Aktivitäten der WWP konnte ein beträchtliches Medienecho erzielt werden.

Studientag "Antirassistische Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit"
Anlässlich der Anfang September in Durban (Südafrika) stattfindenden "UNO-Weltkonferenz gegen Rasismus, rassistische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und vergleichbare Intoleranz" veranstalteten entwicklungspolitische NGOs am 21.6.2001 gemeinsam mit ANAR einen Studientag zu "Antirassistischen Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit". Für die Veranstaltung wurden ReferentInnen aus dem In- und Ausland eingeladen (Ljubomir Bratic/Sprecher von ANAR, Herbert Langthaler/Asykoordination Österreich; Ashok Ohri/Director Organizations and Social Development Consultants, Edinburgh u.a.).
In drei Arbeitskreisen (zu den Themen 1) Öffentlichkeitsarbeit und Informationsarbeit: Mediale und popkulturelle Konstruktionen des Fremden, 2) Bildungsarbeit: Strukturen der Ungleichheit aufzeigen, ohne rassistische Bilder zu reproduzieren, und 3) Projektarbeit: Rassismus-Sensibilisierung in der Entwicklungszusammenarbeit) diskutierten die TeilnehmerInnen selbstrkitisch über die Wahrnehmung von (anti-)rassistischen Praxen der entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Projektarbeit. Sie empfahlen die Stärkung von Antirassismus in der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit wie z.B. antirassistische Trainings für MitarbeiterInnen in der EZA. Betont wurde auch die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit (z.B. die Involvierung von MigrantInnen als gleichwertige ExpertInnen) und die Bedeutung einer verstärkten Vernetzung von Anti-Rassismus und MigrantInnen-Organisationen mit entwicklungspolitischen Organisationen.

Weitere Aktivitäten von ANAR-Mitgliedern
Die antirassistischen und MigrantInnen-Organisationen, die das ANAR-Netzwerk bilden, haben im Lauf der letzten eineinhalb Jahre eine Vielzahl an Initiativen gesetzt, die keinen Eingang in diesen Bericht finden, weil ANAR als Netzwerk nicht explizit als (Mit-)Träger an den Aktivitäten teilgenommen hat. Es soll aber doch darauf verwiesen werden, dass 2000/2001 in Österreich etwa eine Kampagne zum Schutz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge durchgeführt wurde, dass von ZARA unter Mitarbeit verschiedenster Organisationen ein Rassismus-Report erstellt wurde, dass das Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen einen Entwurf für ein Anti-Diskriminierungsgesetz ausgearbeitet hat und Lobbying für dessen Einführung betrieben wurde, dass sich verschiedene soziale Organisationen gegen die Illegalisierung von AsylwerberInnen und für die Verbesserung der Situation von Schubhäftlingen engagieren und dass sich die ANAR-Mitgliedsorganisationen zu aktuellen Fragen zu den Themenkreisen "Rassismus" und "Migration" regelmäßig in der Öffentlichkeit zu Wort melden.

ANAR-Organisationen
ANAR hat kein formales Verfahren, um einzelne Organisationen aufzunehmen, sondern versteht sich als offenes Netzwerk. Dieses Kooperationsnetzwerk umfasst u.a. folgenden Organisationen:

A.D.A. (Wien)
AHDA - Association for Human Rights and Democracy in Africa (Wien)
Asylkoordination (Wien)
Asyl in Not (Wien, Burgenland)
AtiGF - Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich (Wien)
Beratungsstelle für AusländerInnen (Innsbruck)
Beratungszentrum für Migranten und MigrantInnen (Wien)
Bunte Demokratie für Alle - BDFA (Wien)
Caritas (Ö)
Die Bunten - Forum für Würde, Gerechtigkeit und Demokratie (Wien)
Der Mensch zuerst - Spitalspersonal gegen Ausländerfeindlichkeit (Wien)
Europäisches MigrantInnenforum (Wien)
Evangelischer Flüchtlingsdienst (Wien)
Fair Play - Wiener Institut für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit (Wien)
Feykom (Wien)
Gettoattack (Wien)
ICAP - International Center for African Perspectives (Wien)
Initiative Grüner MigrantInnen - BG 0 (Wien)
Initiative Minderheiten (Wien)
Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen (Wien)
Integrationshaus (Wien)
MAIZ (Linz)
Peregrina - Verein zur Beratung ausländischer Frauen (Wien)
Plattform Für eine Welt ohne Rassismus / www.no-racism.net (Wien)
SOS-Mitmensch (Wien)
Tschuschenpower (Wien)
Verein Multikulturell (Innsbruck)
Verein Gurdwara Nanaksar (Wien)
Volkshilfe Oberösterreich (Linz)
ZARA (Wien)
Zentrum für binationale und interkulturelle Paare und Familien (Wien)

und viele andere...

ANAR-Sprecher: Ljubomir Bratic (Integrationshaus)
ANAR-Vertretung bei ENAR: Esther Maria Kürmayr (Peregrina) und Gerhard Hetfleisch (AusländerInnen-Beratungsstelle Tirol; bis März 2001).
Nächste ANAR-Generalversammlung: 8.-9.9.2001 in Linz

(Bericht: Claudia Thallmayer)