Dienstag, 24.06.2003

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KOLUMNISMUS
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01 Rassisierende Kunstprojekte
From: Ljubomir Bratic
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IN EIGENER SACHE
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02 Ergänzung zur Beschwerde
From: Florian Wagner
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03 Reaktion
From: cafe.critique@gmx.net
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AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
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04 Anonymer, freier Hotspot im MQ
From: depesche@quintessenz.org
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05 FFS ruft zum Widerstand gegen Softwarepatente auf
From: depesche@quintessenz.org
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KOMMENTARE - MELDUNGEN
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06 10 Jahre Bad Kleinem - Tod von Wolfgang Grams
From: gooler@web.de
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07 Wiener Serben protestieren gegen Haager Tribunal
From: joesb@vorstadtzentrum.at
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DISKUSSION
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08 Entgegnung betreffend Anschuldigungen von Frau Volgger
From: gfbv.austria.@chello.at
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09 einige belege für die "lernfähigkeit" der sudetendeutschen
landsmannschaft

From: claudia.volgger@chello.at
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Im MUND findet Ihr eine Rubrik, die eine Konsequenz aus der redaktionsinternen Debatte um die Notwendigkeit, sexistische, antisemitische und rassistische Beiträge nicht zu veröffentlichen, einerseits, die Problematik von Zensur andererseits versucht: unter "B) Eingelangt, aber nicht aufgenommen" wird - in anonymisierter Form - auf angehaltene Beiträge hingewiesen und eine kurze Begründung der/des Tagesredaktuers für die Nichtaufnahme geliefert. Die AbsenderInnen werden hiervon informiert.
Ihr könnt Euch die Beiträge extra schicken lassen:
Mail an widerstand@no-racism.net genügt.

 




Quelle: www.popo.at


Und für nächsten Donnerstag:
Das Rechtshilfe-Manual
...und was mache ich eigentlich gegen rassisten?
online-diskussion

Editorial
Für den Inhalt verantwortlich: Ihr.
Die Beiträge werden von verschiedenen Redaktionsteams zusammengestellt.

Bitte weitersagen:
Für Personen ohne Internetzugang gibt es aktuelle Terminankündigungen
unter der Rufnummer 589 30 22 12 (Demoforum)
 


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KOLUMNISMUS
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01 Rassisierende Kunstprojekte
From: Ljubomir Bratic
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Rassisierende Kunstprojekte
Ein Kommentar
Der Flirt von Soho in Ottakring mit MigrantInnen und ihrer Präsenz
funktioniert seit einiger Zeit als ein Initiationsritus für die
KünstlerInnenszene im österreichsichen Staat. Es handelt sich dabei um eine
glaubwürdige Methode in Zeiten der postkolonialen Debatten, um für die
eigene Mehrheitszugehörigkeit Respekt zu verschaffen.
Beim Durchlesen von den zwei Briefen (MUND am 23.06.2003) über die SOHO in
Ottakting 2003 sind mir mehrere Sachen eingefallen. Ich möchte aber hier
nicht auf der Psycho-Schizo-Schiene argumentieren und die Strukturen der
Subjekte analysieren, die solche Schriftstücke verfassen - obwohl das eine
sehr dankbare Aufgabe wäre.
Die Arroganz der KünstlerInnenschaft kommt jedenfalls selten so rein und
klar zum Vorschein wie in dem Brief von Dianareisen. Insofern sollten wir
ihnen dankbar sein, nix versteckt zu haben, ganz im Gegenteil stark genug zu
sein, dies in diese unsere kleine Öffentlichkeit hinauszuposaunen.
Ich will nur ein paar Punkte aufzählen, die offensichtlich hinter dieser
Auseinandersetzung stehen.
Woran denken die KünstlerInnen, wenn gefragt wird "was ist da geschehen?".
Sie interpretieren und schafen davon die Frage "was ist wirklich
passiert?"... es geht also um die Wirklichkeit die passiert. Offensichtlich
denken sie nicht an das, dass die Kunst nicht durch Intention geschaffen
wird, sondern unter festgelegten Bedingungen produziert wird. Diese
Bedingungen sind die, auf die sich die Schule Esdik beruft und die von
Dianareisen offensichtlich im Namen von Intention und Gerichtetsein auf das
Ziel des Verständnisses abgewiesen wird. Aber welches Verständnis und für
wen? Wenn wir ein bissi in die
Geschichte Wiens zurückgehen, stoßen wir auf die Tradition der Fremdenschau.
Das scheint die Linie der Dianareisen zu sein. Der verstopfte Mohr war einer
der drastischsten Ideen dieser Sichtweise, aber es ist auch an die
Ausstellungen im Prater zur Jahrhunderwende zu denken und auch in der
allerneuesten Zeit an die kurdischen, afrikanischen und was weiß ich noch
welche Dörfer, die die Exotik leicht verdaulich in die Vorstellungswelt des
Mainstreams
hineintransportieren.
Wenn also einerseits einzelne Menschen (Mohr) und andererseits die
Gemeinschaften (Dörfer) ausgestellt werden, warum sollte da nicht auch eine
nette türkische Familie ihren Platz haben. Diese Zelle des Staates gehört
auch einmal ausgestellt. Noch dazu, wenn sie mit diesem
Sich-zur-Schau-Stellen einverstanden und bereit ist, die
BesucherInnen zu bekochen, bedienen und auf die Fragen "Wann sie zurückgehen
werden?" zu antworten. Ein seitens der Wiener Tradition bekannter, gelebter
und in dem Projekt Dianareisen weiter tradierter rassisierender Blick. Mit
solcher Offensichtlichkeit und Arroganz des Machtblickes haben wir nicht
mehr so oft zu tun. Dabei sollte, der Wiener Zeitung folgend, bei einem
Besuch in der Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie die Möglichkeit
einer hautnahen Annäherung an die andere Kultur im eigenen Land bestehen.
Man sollte sich das einmal im Mund zergehen lassen. Hautnahe Annäherung,
sozusagen Körper an Körper, warm und verführerich die andere Kultur und das
im eigenen Land. Im eigenen Land wird da jemand vorgeführt, weil er/sie
anders ist und durch die gemeinsame Exotismusorgie besteht
die Möglichkeit der Annäherung.
Weitere Ziele dieser hautnahen Annäherung waren AkademikerInnen,
Geschäftsleute und Tier- Pflanzenwelt. Insofern handelt es sich auch von
dieser Seite gesehen um eine interessante Objektauswahl. Jedenfalls geht es
um einen, wie im Prospekt zur Soho in Ottakring dargestellt wird, sehr
"hautnahen ... Blick auf das bunte Leben". Das bunte Leben ist somit
verortet, es besteht aus AkademikerInnen, Geschäftsleute, MigrantInnen -
natürlich TürkInnen - und Tier- und Pflanzenwelt. Das Bildungsystem ist
angesprochen, die Wirtschaft kommt dazu und TrägerInnen der "anderen Kultur"
genauso neben der "Flora und Fauna". Das ist der zweite Punkte, den die
Dianareise in ihrer Kunstproduktion reproduziert: Die Foucaultsche Wert der
Dinge, Sparche als Wessen und Biologie wird hier folgerichtig um den
Rassismus erweitert.
Interessant wird es sein, die Ergebnisse des Projekts zu studieren,
inwieweit sich z.B. die Lebenswelten (die von diesem Projekt untersucht
werden sollen) voneinander unterscheiden und was sie verbindet . Warum ist
eine türkische Familie so interessant? Ich behaupte, nur weil sie das Objekt
der Machtausübung ist. Indem sie von dieser KünstlerInnengruppe zum
diskreten Objekt der Begierde erklärt werden, weißen sie ihnen auch einen
Platz zu, eben einen, der als Ausstellungsstück fungiert, weil er genug
fremd ist. Klar kann man jedes Objekt zur Kunst erklären, nur während es bei
Findobjekten um Umdefinierung und Aufwertung (auch Aufhebung) ihres Inhalts
geht, geht es bei der türkischen Familie um ihre Einzementierung in ihre
türkische kulturelle Identität, um eine Abwertung, weil damit ihr die
Möglichkeiten wegdefiniert werden. Kurz gesagt, wäre das keine türkische
Familie oder würde sie für sich behaupten, keine türkische Familie zu sein,
wäre sie für Dianareisen uninteressant. Wichtig ist sozusagen der Prototyp,
der in diesem Kunstprojekt zum Stereotyp wird.
Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. Es geht aber auch um das,
dass dieses Projekt trotz dezidierter Ablehnung seitens Hikmet Kajahan und
Sule Esdik und so weit mir bekannt ist auch anderer Menschen, die in
Entscheidungspositionen waren, angenommen wurde. Was mich also interessieren
würde, ist die Argumentationslinie anderer Mitglieder der
Entscheidungskommission: Warum werden solche rassisierenden Projekte
(Dianareisen ist nicht das einzige) bei der SOHO in Ottakring durchgeführt?
Ljubomir Bratic
BUM - Büro für ungewöhnliche Massnahmen

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IN EIGENER SACHE
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02 Ergänzung zur Beschwerde
From: Florian Wagner
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Ich möchte die Liste der Spammer noch um die "Friedenswerkstatt Linz"
ergänzen, die mir zeitweise 5x die gleiche Aussendung über verschiedene
E-Mail Adressen zukommen hat lassen.
Nachdem ich ihnen mehrere Mails mit der Aufforderung meine Adressen aus
ihrer Kartei zu löschen geschickte habe, sind sie dem auch nachgekommen. Die
Antwort auf die Frage, woher sie diese Adressen haben, blieb mir die
Friedenswerkstatt Linz seinerzeit allerdings schuldig. Das dürfte sich ja
jetzt geklärt haben.
Abschließend möchte ich noch festhalten, dass es mich mindestens genauso
nervt, wenn ich von MUND-Redaktions-Mitgliedern Massenmails zu deren
Privatinitiativen (z.b. dem Austrian Social Forum) bekommen, ohne diese
bestellt zu haben. Das ist zwar jetzt schon länger nicht mehr vorgekommen.
An dieser Stelle deponieren, möchte ich es trotzdem.
Ansonsten,
Liebe Grüße!
anmerkung der tagesred:
kann nicht mehr passieren, weil es keine adresslisten in "privatbesitz" mehr
gibt. das redaktionsmitglied, auf das hier angespielt wird, hat den MUND vor
einiger zeit verlassen.

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03 Reaktion
From: cafe.critique@gmx.net
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wir haben immer mal wieder das problem, daß leute bei uns um die
austragung aus unserem verteiler bitten, die sich darin gar nicht
befinden. offensichtlich gibt es mehrere mailinglisten, an die unsere
aussendungen gehen, und bei denen automatisch die ursprüngliche
absenderadresse verwendet wird. selbstverständlich streichen wir
sofort alle aus unserer liste, die darum bitten. wir haben doch kein
interesse daran, irgendjemanden, der oder die sich nicht dafür
interessiert, mit unserem zeug zu nerven!
aber auch die adresse
oberdenker@diedenker.org
findet sich nicht in unserem verteiler.
auch in zukunft gilt: kurzes mail an uns genügt, und wir streichen
die adresse aus unserem verteiler, so sie sich denn darin befindet.
anderenfalls bleibt uns leider nur die möglichkeit, auf die jeweils
anderen mailinglisten zu verweisen, auf deren adressbestand wir
keinen einfluß haben und an die sich die betreffenden gegebenenfalls
bitte jeweils selbst wenden müßten.
im übrigen werden wir versuchen, in zukunft die verschachtelung der
listenzusendungen zumindest teilweise abzubauen.

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AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
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04 Anonymer, freier Hotspot im MQ
From: depesche@quintessenz.org
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From: "q/depesche" <depesche@quintessenz.org>
Subject: AT: Anonymer, freier Hotspot im Museumsquartier
q/depesche 2003-06-23T09:22:56
AT: Anonymer, freier Hotspot im Museumsquartier
q/uintessenz startet q/spot an Orwells 100. Geburtstag. Nach Abschluss
aller Vorbereitungsarbeiten, können wir der Öffentlichkeit unser neuestes
Projekt vorstellen:"Anonymer, freier WLAN-Access-Point der quintessenz im
Museumsquartier". Es mag inzwischen ähnliche Projekte mit und ohne
kommerziellen Hintergrund geben. Aber warum sich unseres von anderen
Projekten unterscheidet, hängt schon allein mit unseren Konzept BigBrother
und BigSisters die Rote Karte zu zeigen zusammen.
-.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.-
An dieser Stelle allen der gebührenden Dank, den Freiwilligen die bei dem
Projekt unentgeltlich mitgeholfen haben und allen Sponsoren, die ebenfalls
dieses Projekt möglich gemacht haben.
.. und jetzt Kollege "copy und paste" berichtet tm ;)
Wien (pte, 23. Juni 2003 08:15) - Der Verein q/uintessenz
http://www.quintessenz.at nimmt übermorgen, Mittwoch, im MuseumsQuartier
Wien einen Hotspot in Betrieb. Das Besondere an dem "q/spot" genannten
drahtlosen Internetzugang ist, dass keine Daten über die Nutzer des
kostenlosen Angebotes gespeichert werden. Damit wird anonymes Surfen im
Internet (wieder) möglich. Genutzt werden kann der WLAN-Access-Point rund
um die Uhr im großen Hof des MuseumsQuartier Wien http://www.mqw.at .
Entsprechend ist auch der Termin für die Eröffnung gewählt. Am 25. Juni
wäre George Orwell http://www.levity.com/corduroy/orwell.htm 100 Jahre alt
geworden. In seinen beiden bekanntesten Werken, "1984" und "Farm der Tiere"
("Animal Farm"), kritisiert Orwell totalitäre Systeme. q/uintessenz möchte
mit dem q/spot ein politisches Zeichen für digitale Bürgerrechte setzen,
aber auch der Stadt eine Qualität zurück geben, die ihr immer mehr verloren
geht: Anonymität des Einzelnen. "Gemäß der EU-Direktive für Datenschutz und
dem österreichischen Datenschutzgesetz 2000 werden alle angefallenen
Datensätze, die nicht für die Abrechnung benötigt werden, umgehend
gelöscht. Am q/spot gelten keine besonderen Regeln, sondern der Common
Sense des Internet, was schonenden Umgang mit Bandbreite etc. betrifft.
Zuständig für die öffentliche Sicherheit am q/spot sind die Coder von annt
und q/uintessenz", informiert der selbst im Museumsquartier beheimatete
q/spot-Betreiber. Die Nutzung des q/spot ist gratis.
Wie außerdem betont wird, ist die Realisierung des Projektes nur durch
"eine nicht ganz alltägliche Kooperation einer Kulturinstitution (MQ),
einem Wireless Provider (eWave http://www.ewave.at ), Codern und Aktivisten
für digitale Bürgerrechte (annt, q/uintessenz & friendz)" möglich geworden.
Als Übertragungstechnologie kommt das weit verbreitete WLAN-Protkoll
802.11b zum Einsatz. Theoretisch können also 255 Personen gleichzeitig den
anonymen Zugang nutzen, sinnvolles Datenübertragungstempo gibt es für etwa
20 bis 25 gleichzeitige User. Wer bereits anderswo ein drahtloses Netzwerk
gebraucht, sollte vor Nutzung des q/spot darauf achten, welche Daten er auf
seinem Endgerät für andere Netzwerkuser freigegeben hat und gegebenenfalls
unerwünschte Freigaben ausschalten.Im Rahmen der Pressekonferenz "2 Jahre MQ" werden auch ein Vertreter der
quintessenz den q/spot Vorstellen und Fragen beantworten.
Termin: Freitag, 27. Juni, 10 Uhr
Ort: Erste Bank Arena im Museumsquartier, Museumsplatz 1, 1010 Wien (Ende)
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Daniel A. J. Sokolov,
email: sokolov@pressetext.at,
Tel. +43/1/81140-318
quelle:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=030623003
Anmerkung:
In unserem Falle ist es objektiver einen Pressebericht zu nehmen, als über
uns selbst zu schreiben. ;)
lang lebe "copy & paste" mit quellen-link dazu tm ;)
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relayed by Doser
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05 FFS ruft zum Widerstand gegen Softwarepatente auf
From: depesche@quintessenz.org
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From: "q/depesche" <depesche@quintessenz.org>
Subject: FFS ruft zum Widerstand gegen Softwarepatente auf
q/depesche 2003-06-23T00:29:18
FFS ruft zum Widerstand gegen Softwarepatente auf
Der Verein zur Förderung Freier Software (http://www.ffs.or.at) ruft für
die Woche vom 23. bis zum 27. Juni österreichweit dazu auf, die
Abgeordneten des Europäischen Parlaments vor der Legalisierung von
Software- und Ideenpatenten in Europa zu warnen.
-.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.- -.-. --.-
Pressemeldung:
Der Verein zur Förderung Freier Software (http://www.ffs.or.at) ruft für
die Woche vom 23. bis zum 27. Juni österreichweit dazu auf, die
Abgeordneten des Europäischen Parlaments vor der Legalisierung von
Software- und Ideenpatenten in Europa zu warnen.
Nachdem der Rechtsauschuss des Europäischen Parlaments am Dienstag,
dem 17. Juni 2003, dem Richtlinien-Entwurf zur Einführung von
Software- und Ideenpatenten zugestimmt hat, wurde die Abstimmung im
Europäischen Parlament bereits auf 30. Juni angesetzt.
Der Verein zur Förderung Freier Software (FFS) sieht in der Einführung
der Patentierbarkeit von Algorithmen und Ideen eine massive Gefahr für
die in österreich stark ausgeprägte mittelständische Softwareindustrie.
"Während ein bestimmtes Werk (z.B. ein Programm) in seiner konkreten
Form durch das Urheberrecht geschützt wird, bezieht sich ein Patent auf
die Methode eines Vorganges, die dahintersteckende Idee. Jede noch so
unterschiedliche Umsetzung dieser Idee ist eine Patentverletzung", so
Ing. Reinhard Müller, Vorstandsmitglied des FFS. "Die Einführung von
Software- und Ideenpatenten ist eine ernsthafte Bedrohung für den
Mittelstand."
Müller, selbst Inhaber eines kleinen Software-Unternehmens, sieht
Softwarepatente als Damoklesschwert über seinem Kopf: "Bei jetzt schon
mehr als 30.000 (derzeit noch widerrechtlich) vergebenen
Softwarepatenten ist es unmöglich, ein Programm zu schreiben, das kein
Patent verletzt. Die großen internationalen Konzerne, die jeweils
tausende Patente besitzen, haben es in der Hand, ihre kleineren
Konkurrenten nach Belieben durch eine Patentklage in den Konkurs zu
treiben."
Der FFS ruft daher auf seiner Internetseite
http://ww.ffs.or.at/projekte/anti-swpat/ dazu auf, mit den Abgeordneten
zum Europäischen Parlament Kontakt aufzunehmen und vor der Einführung
von Software- und Ideenpatenten zu warnen. "Wir glauben fest daran, dass
das Europäische Parlament schlussendlich doch die europäischen
Interessen verteidigen wird, obwohl die Lobby der großen Konzerne in den
letzten Monaten intensiv Druck gemacht hat", ist Müller zuversichtlich.
"Die Vorverlegung des Abstimmungstermins um 3 Monate zeigt wohl deutlich,
wie groß die Angst der ausländischen Patentlobby ist, dass sich aus der
europäischen Wirtschft Widerstand bilden könnte. Allerdings wird sich die
europäische Wirtschaftspolitik nicht durch Taschenspielertricks außer
Gefecht setzen lassen."Über den Verein zur Förderung Freier Software:
Der Verein zur Förderung Freier Software (http://www.ffs.or.at) wurde im
Jahre 2001 als gemeinnützige Organisation gegründet, um als Ergänzung zu
den international agierenden Organisationen die Interessen der Anwender
und Entwickler von Freier Software in Österreich zu vertreten.
Neben der Mitwirkung in verschiedensten Projekten zur Unterstützung des
Einsatzes Freier Software im privaten, geschätlichen und öffentlichen
Bereich sieht sich die ständig wachsende Anzahl von Mitgliedern auch
zunehmend dazu berufen, die rechtlichen Grundlagen für die Erstellung,
Verwendung und Weiterentwicklung Freier Software in Österreich zu
sichern und auszubauen.
--
Reinhard Müller
Verein zur Förderung Freier Software
http://www.ffs.or.at
Ps.: "lang lebe copy & paste" ;)
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relayed by Doser
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quintessenz is powered by http://www.ewave.at
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KOMMENTARE - MELDUNGEN
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06 10 Jahre Bad Kleinem - Tod von Wolfgang Grams
From: gooler@web.de
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Hallo,
nachfolgend unser aktuelles Flugblatt zu "10 Jahre Bad Kleinen" zur
Veröffentlichung und Weitergabe.
Hinweisen wollen wir euch auch auf unsere Webseite www.badkleinen.tk bzw.
www.badkleinen.de.vu
Solidarische Grüße...
Initiativkreis "10 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams"
---
27. Juni 1993/2003 - 10 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams
"Glaubt den Lügen der Mörder nicht!"
Befreiung als Perspektive
Repression als Reaktion
Solidarität als Antwort
rewind: Sonntag, 27. Juni 1993. Bahnhof, Bad Kleinen. Ein knapp
Dreitausend-Seelenort nördlich von Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern. Die
Frau: Birgit Hogefeld. Der Mann: Wolfgang Grams. Beide organisiert in der
Rote Armee Fraktion (RAF). By any means necessary. Der Verräter: Klaus
Steinmetz, ein V-Mann des Verfassungsschutzes. Das Treffen: Eine Falle.
Billardcafe, Bahnunterführung, Treppenaufgang, 15 Uhr. Der Angriff: Birgit
Hogefeld wird zu Boden gebracht und gefesselt. Flucht: Wolfgang Grams läuft
den Treppenaufgang zum Bahnsteig 3/4. Die Verfolger: GSG9, eröffnen das
Feuer. Wolfgang Grams: Schießt zurück. By any means necessary. Die Zeugin
Baron, der anonyme BKA-Zeuge: Grams wurde, als er bereits regungslos im
Gleisbett lag, von Beamten der GSG9 regelrecht hingerichtet. By any means
necessary. Nachrichtensperre. Der Innenminister tritt zurück. Der
Generalbundesanwalt wird in den Ruhestand entlassen. Die offizielle Version:
Wolfgang Grams habe den GSG9 Beamten Newrzella erschossen und sich selbst
getötet. Die Bundesregierung: Spricht den Einsatzkräften, dem BKA und der
BAW ihr volles Vertrauen aus. By any means necessary. Die Niederlage der RAF
ist eine Niederlage der Linken. Forward: 27. Juni 2003, 10 Jahre nach dem
Tod von Wolfgang Grams: Glaubt den Lügen der Mörder nicht.
Am 27. Juni 1993 schlug das Bundeskriminalamt (BKA) in Bad Kleinen gegen die
Rote Armee Fraktion (RAF) zu. Wolfgang Grams wurde laut Aussagen von
ZeugInnen von der GSG 9 hingerichtet, Birgit Hogefeld ist seither in Haft.
Die Staatsschutzaktion in Bad Kleinen offenbart öffentlich das Ausmaß des
staatlichen Vernichtungswillens gegen seine radikalen und militanten Gegner
und markiert zugleich eine schwere Niederlage für die Linke in der
Bundesrepublik Deutschland.
10 Jahre danach nehmen wir diese Ereignisse zum Anlass, um uns mit diesem
Kapitel linker Geschichte auseinanderzusetzen. Auch wenn unsere Blickwinkel
darauf durchaus sehr unterschiedliche sind, so eint uns als Teile der
radikalen Linken doch die Erkenntnis, das dies auch unsere Geschichte ist.
Das Bewusstsein für diese wach zu halten und die in diesem Zusammenhang
aktuellen politischen Herausforderungen verantwortlich anzugehen, sind die
Hauptanliegen unserer Aktivitäten 10 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams.
Geschichte wird gemacht, nehmen wir unsere in die eigenen Hände!
"No matter how hard you try, you can`t stop us now" Rage against the machine
Blick zurück nach vorn.
RAF, Bewegung 2. Juni oder die RZ entstanden in einer Zeit weltweiter
antikolonialer/antiimperialistischer Befreiungskämpfe. Diese wirkten zurück
in die kapitalistischen Metropolen, auch in der Bundesrepublik Deutschland
befand sich die Linke in den 60er und 70er Jahren im Aufbruch und in
relativer Stärke. Die Bewaffnung der Linken war vor diesem Hintergrund kein
abwegiges Konzept und wurde von vielen Menschen getragen - anders wäre sie
auch gar nicht möglich gewesen. Der politische Kampf für die Abschaffung der
kapitalistischen, rassistischen und patriarchalen Verhältnisse, die auf
Ausbeutung und Unterdrückung beruhen, war damals genauso legitim, wie er es
heute ist und in Zukunft bleiben wird.
Beendet wurde 25 Jahre später ein politisches Konzept, das analytisch und
organisatorisch offensichtlich schon seit längerem an seine Grenzen gestoßen
war. Eine Guerilla kann nur so gut sein wie die Linke, deren Teil sie ist.
Beendet wurde eine Struktur, die sich für lange Zeit dem Zugriff des Staates
entziehen konnte und punktuell auf hohem organisatorischen Niveau
handlungsfähig war. Aus heutiger Sicht eine unglaubliche Leistung.
Beendet wurde auch das existierende Beispiel der persönlichen Konsequenz,
mit den Privilegien des bürgerlichen Lebens in der Metropole radikal zu
brechen. Sicherlich die größte Ausstrahlungskraft der bewaffnet Kämpfenden,
weit über die Linke hinaus. Wenn heute über den Bruch mit den Verhältnissen
diskutiert wird, ist das zumeist ein Gedankenspiel und nicht mehr eine
konkrete Option.
Bad Kleinen also: Endstation, nicht nur für das Leben einiger GenossInnen,
sondern auch für ein Kapitel linker Politik in Deutschland. Die späteren
Auflösungserklärungen der RAF und einiger RZ wirken da wie nachgereichte
Pflichtaufgaben.
Nicht beendet ist allerdings der offene Verlauf der Zukunft, wie es uns so
viele Apologeten kapitalistischer Verwertungslogik und bürgerlicher
Ideologie seit dem Zusammenbruch des Ostblocks selbstbewusst predigen. Es
gibt kein Ende der Geschichte! Unsere Perspektive heißt Befreiung weltweit!
"Wenn der Vorhang fällt, schau hinter die Kulissen." Freundeskreis
Nichts ist vergessen und niemand!
Geschichte kann nicht objektiv oder gar neutral geschrieben werden. In ihr
liegt mindestens immer der Blickwinkel der Schreibenden, ihr Standpunkt
bestimmt die Perspektive. Was es geben kann, ist die Sammlung von Tatsachen,
wenn auch diese einem Deutungsinteresse unterliegt.
Um den 20. Jahrestag von Stammheim herum gab es in den bürgerlichen Medien
einen breit angelegten Versuch, mit der die herrschende Version von fast 25
Jahren bewaffneten Kampf in der BRD endgültig in den Geschichtsbüchern
festgeschrieben werden sollte. Dabei bemühten sich nicht bloß die Organe des
Staates, ihr Handeln erneut zu rechtfertigen. Auch zahlreiche derer, die in
den 60er und 70er Jahren für die Befreiung des Menschen aufgebrochen waren,
wußten nun authentisch von der Aussichtslosigkeit der Stadtguerilla zu
berichten und so ihre Distanz zu belegen.
In einem solchen Ausmaß war die Widerspruchslosigkeit dieses Diskurses nur
möglich, weil die bestehende Linke weder die Aufmerksamkeit noch den Willen
hatte, Kritik am Staat in die Öffentlichkeit zu tragen, geschweige denn die
Ziele und Motivationen der bewaffnet Kämpfenden zu vermitteln. 10 Jahre nach
Bad Kleinen wollen wir einen Gegenpol zur bürgerlichen Geschichtsschreibung
schaffen und nicht nur in der Linken unsere Version der Geschichte zur
Diskussion stellen.
"Kopfschuss, das war kein Selbstmord, das war Mord!" (WIZO)
Don´t believe the hype.
"Nach ewig langen 20 Sekunden ist dann der tödliche Schuß gefallen. Ein
Kollege von der GSG 9 hat aus einer Entfernung von Maximum 5 cm gefeuert."
So schilderte ein anonymer Zeuge des BKA kurz nach den Ereignissen von Bad
Kleinen seine Beobachtungen dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Die Verkäuferin
eines Kiosks auf dem Bahnsteig berichtete einen ähnlichen Ablauf: Demnach
feuerten zwei Beamte der GSG9 aus nächster Nähe auf den bereits reglos auf
den Bahngleis Liegenden, ein weiterer hinzutretender Polizist tötete
Wolfgang Grams mit einem aufgesetzten Kopfschuss.
Bad Kleinen löste für kurze Zeit eine ernsthafte Staatskrise aus. Als
Problem wurden schließlich aber vor allem Pannen bei der
Öffentlichkeitsarbeit benannt, den beteiligten Polizeibehörden politisch das
Vertrauen ausgesprochen. Offiziell wird seither von "Erschießung" sowie von
"Tod unter ungeklärten Umständen" gesprochen. Deutsche Gerichte haben
bereits ihr endgültiges Urteil "Selbstmord" gefällt. Ohne dafür die
politische Verantwortung tragen zu müssen, bleiben so doch Fakten
geschaffen: Alle wissen, was in Bad Kleinen geschah und was damit auch
zukünftig möglich ist. Ein ähnliches Muster bei der Herstellung von
gesellschaftlichen Tatsachen, war - wenn auch inszenierter - bei der
Diskussion um die angeordnete Folter der Frankfurter Polizei beobachtbar.
Der Tabubruch ist auch hier vollzogen: Folter ist bei Bedarf möglich.
"Zivicops, Kameras und Lauschangriff, das macht Ihr sicher nicht für mich,
denn ich brauch das nicht!" (Fettes Brot)
stop state-terrorism!
Verbanden einige Linksliberale mit der Regierungsbeteiligung der Grünen noch
die Hoffnung, nun würde an den §§ 129 und 129a (Bildung einer kriminellen
bzw. terroristischen Vereinigung) gerüttelt, bleibt davon heute nicht mehr
als Schulterzucken übrig. Mit den Sicherheitspaketen nach dem 11. September
2001 wurde auch der § 129b, Bildung und Unterstützung einer terroristischen
Vereinigung im Ausland, aus den Amtsschubladen gezaubert. Die
Willkürlichkeit, mit der unliebsame Bewegungen je nach weltpolitischer
Interessenlage als legitime Befreiungskämpfer beklatscht oder als
blutrünstige Terroristen diffamiert werden können, kennzeichnet den Begriff
Terrorismus einmal mehr als Propagandamittel. Das Wesen dieser staatlichen
Verfolgungslogik, die nicht eine konkret begangene Straftat zu Grunde legt,
sondern ganz unverhohlen zu erwartenden politischen Protest zu unterbinden
versucht, drückt sich ebenso in den Gefahrenabwehrgesetzen oder den
Beschränkungen der Reisefreiheit aus.
Die konkreten Auswirkungen solcherlei Kompetenzen für die
Staatsschutzbehörden hat die deutsche Linke in den letzten Jahren zur Genüge
erfahren. Wie im Verfahren gegen die Zeitung radikal. Oder mit den
Ermittlungen nach §§129 bzw. 129a gegen die Autonome Antifa [M] in Göttingen
oder die Antifa Aktion Passau. In den 90er Jahren wurden weite Teile von
legal angelegten politischen Strukturen überwacht und durchleuchtet. Auch
wenn es hier zu keinen Verurteilungen kam, wurden die betroffenen Gruppen
durch diese Frontalangriffe des Staates doch erheblich geschwächt. Einem
ähnlichen Druck ist jetzt die Linke in Sachsen-Anhalt ausgesetzt. Die
Konstruktion der Bundesanwaltschaft hier: Aus der Gruppe "Autonomer
Zusammenschluß Magdeburg" soll sich eine terroristische Vereinigung gebildet
haben.
In weitaus größerem Umfang sind von all diesen Befugnissen aber die in
Deutschland politisch aktiven MigrantInnen und Flüchtlinge betroffen. So
brauchte es bisher gar keines §129b, um beispielsweise mit aller Härte gegen
die türkische oder kurdische Linke vorzugehen und damit dem NATO-Partner
Türkei den Rücken freizuhalten. 2003 jährt sich ebenfalls zum zehnten Male
das Verbot der Betätigung für die PKK. Ein Kurswechsel der Bundesregierung
an diesem Punkt ist nicht in Aussicht.
"Endlich sind die Terroristen weg!" Jan Delay
free all political prisoners!
Birgit Hogefeld wurde 1996 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch Brigitte
Mohnhaupt, Christian Klar, Eva Haule und Rolf Clemens Wagner sind für ihre
Mitgliedschaft in der RAF noch immer im Knast. Die Angeklagten im Prozess
gegen die Revolutionären Zellen (RZ) sind von Haftstrafen bedroht, Lothar
Ebke ist in Kanada in Auslieferungshaft. Aus der kurdischen und der
türkischen Linken sitzen zahlreiche GenossInnen auch in deutschen
Gefängnissen; ebenso wie Thomas Meyer-Falk oder Rainer Dittrich.
Am 21. Januar 2003 wurde der Baske Paulo Elkoro in Nürnberg festgenommen. Er
befindet sich in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim. Gegen ihn wird
nach § 129b ermittelt, der spanische Staat verlangt seine Auslieferung.
Am 27. November letzten Jahres wurden Marco Heinrichs und Daniel Winter
wegen des Vorwurfs festgenommen, eine terroristische Vereinigung mit dem
Namen "Kommando Freilassung aller politischen Gefangenen" gegründet und zwei
Anschläge im März 2002 begangen zu haben. Dabei handelte es sich um einen
nicht gezündeten Brandsatz unter einem Fahrzeug des BGS in Magdeburg sowie
den Wurf eines Molotow-Cocktails gegen die Fassade eines LKA-Gebäudes. Am
16. April 2003 wurde Carsten Schulze aus Magdeburg als weiterer
Beschuldigter festgenommen, die Vorwürfe gegen die Drei wurden nun um
diverse unaufgeklärte Anschläge der letzten Jahre in der Region Magdeburg
erweitert.
Dort wo sich Widerstand regt, der den Rahmen des Bürgerlichen Gesetzbuches
verlässt oder gesellschaftliche Bedeutsamkeit erlangt, kann die Linke mit
den Gegenschlägen des Staates rechnen. Deutlich wurde dieses einmal mehr mit
den Auseinandersetzungen um die Gipfeltreffen; auch die Antifa- und
"Antiglobalisierungsbewegung" sind danach unmittelbar von Gefängnisstrafen
betroffen. Der Frage nach dem Verhältnis zu den politischen Gefangenen muss
sich die Linke stellen. Ohne dieses sind offensive Schritte der Linken wie
beispielsweise in Göteborg oder Genua nicht zu verantworten. Die Bedrohung
durch Knast kann nicht zum bloßen persönlichen Risiko der Einzelnen und zum
Problem der Angehörigen verkommen. Politische Solidarität ist eine Aufgabe
der Linken insgesamt.
Die deutsche Linke hat offenbar seit langer Zeit nicht mehr die Kraft, durch
öffentlichen Druck eine Verbesserung der Situation der politischen
Gefangenen durchzusetzen. Dennoch gibt es für uns keinen Grund, die Hände an
diesem Punkt sprachlos in den Schoß zu legen. Fehlen uns auch die Mittel,
die politischen Gefangenen gesellschaftlich zu thematisieren, so haben wir
dennoch die Verantwortung, das Bewusstsein um die Gefangenen in der Linken
und die Anforderungen einer politischer und materieller Solidaritätsarbeit
anzupacken.
Wenn es die Absicht des Staates ist, einzelne GenossInnen mit Prozessen und
Knast auch in ihrer finanziellen Existenz zu bedrohen, dann ist es die
Aufgabe der Linken, diese Last auf viele Schultern zu verteilen und Geld zu
sammeln.
Wenn es die Absicht des Staates ist, Menschen durch Knastmauern voneinander
zu trennen, dann ist es die Aufgabe der Linken, diese Mauern zumindest in
unseren Diskussionen einzureißen, indem wir die GenossInnen drinnen zum Teil
der politischen Auseinandersetzungen draußen machen.
Wenn es die Absicht des Staates ist, politische Ansätze wegzusperren, dann
ist es die Aufgabe der Linken, die Auseinandersetzung gerade um diese
Politik zu suchen.
Die Initiative "zehn Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams" haben ergriffen:
Antifa Bad Homburg, Antifaschistische Aktion LEVerkusen - [AALEV], Autonome
Antifa [M] Göttingen, Komitee 18. März Münster, Libertad!, Organisierte
Autonomie (OA) Nürnberg, Soligruppe Magdeburg / Quedlinburg
Weitere Informationen und Termine: www.badkleinen.tk und
www.badkleinen.de.vu

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07 Wiener Serben protestieren gegen Haager Tribunal
From: joesb@vorstadtzentrum.at
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Heftige Kritik an serbischer Regierung
Am 15. Juni fanden sich auf Einladung der Jugoslawisch-Österreichischen
Solidaritätsbewegung (JÖSB) zahlreiche Exilserben und interessierte
Österreicher zur Diskussion über die Folgen des Ausnahmezustandes nach der
Ermordung des Premiers Djindjic zusammen. Am Podium waren Lazar Bilanovic
für die JÖSB, Stevan Munjas für die Humanitas, Helmut Kramer von der Wiener
Friedenbewegung und Willi Langthaler für die Antiimperialistische
Koordination. Von der Botschaft Serbien und Montenegros kam trotz mehrfacher
Einladung niemand.
Einhellig wurde nicht nur die Verhängung des Ausnahmezustands verurteilt,
sondern die radikale Einschränkung der Demokratie angeprangert.
Rechtsstaatliche Selbstverständlichkeiten werden nicht eingehalten, die
Medien sind zensuriert und das Land steht unter der Fuchtel der westlichen
Finanzinstitutionen sowie ihrer politischen Legitimationsinstrumente wie
beispielsweise dem Haager Tribunal. Obwohl die neoliberale "Schocktherapie"
nicht nur in Osteuropa sondern auch in Argentinien gescheitert sei, würde
nun auch zum Schaden des Landes auf Serbien angewandt. Obwohl die Regierung
behaupte gegen die Mafia anzukämpfen, sei sie die Mafia, die von dieser
"ursprünglichen kapitalistischen Akkumulation" mittels Verbrechen Vermögen
anhäufe. Sie wolle sich nur ihrer dem Westen nicht genehmen Komplizen
entledigen, mit deren Hilfe sie an die Macht gekommen waren. Zusammenfassend
rief Lazar Bilanovic verzweifelt aus: "Serbien durchlebt die schlimmste
Diktatur seit Nedic!"
Am Vidovdan, dem serbischen Nationalfeiertag am 28. Juni, findet in Den Haag
vor dem "Tribunal" eine internationale Demonstration für dessen Auflösung,
für die Freilassung von Slobodan Milosevic und gegen die diktatorischen
Maßnahmen der Belgrader Regierung statt. Eine Delegation der Wiener Serben
sowie der JÖSB werden an der Demonstration teilnehmen.
Für diejenigen, die nicht Teilnehmen können, findet eine
Informationsveranstaltung mit Grill und Musik in Wien statt: Hugogasse 8 im
Garten, 1110 Wien, 15-23 Uhr
**************************************
Jugoslawisch-Österreichische Solidaritätsbewegung
Meiselstraße 46/4
A-1150 Wien
Tel&Fax: (+43 1) 924 31 61
joesb@vorstadtzentrum.org
http://www.vorstadtzentrum.org/joesb
**************************************
Falls Sie keine Nachrichten mehr erhalten wollen, bitte
nachstehenden Link benutzen:
http://www.vorstadtzentrum.org/cgi-bin/mojo/mojo.cgi?f=u&l=JOeSB&e=widerstan
d@no-racism.net&p=7257

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DISKUSSION
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08 Entgegnung betreffend Anschuldigungen von Frau Volgger
From: gfbv.austria.@chello.at
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An die Redaktionen von MUND und akin
Betr: Vorwürfe von Frau Volgger
Werte Redaktionen!
Da ich in der Zwischenzeit über unseren Medienbeobachter Observer erfahren
habe, dass der Vorwurf von Frau Volgger, die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) unterhalte rechte Verbindungen, auch von der Zeitschrift Akin
übernommen wurde, möchte ich - als persönlich angesprochener Geschäftsführer
der GfbV-Österreich - wie folgt Stellung beziehen.
Ich weise mit aller Entschiedenheit den Vorwurf, die Gesellschaft für
bedrohte Völker unterhalte rechte Verbindungen, zurück. Ich verurteile
selbstverständlich, und da bin ich mir der Zustimmung der gesamten
GfbV-Gemeinde sicher, die abscheulichen Verbrechen des Nazi-Regimes aufs
Schärfste, und gleichzeitig verurteile ich alle Aussagen - auch die von
VertreterInnen Sudetendeutscher Landsmannschaften oder ähnlicher
Verbindungen, die solche Verbrechen in irgendeiner Weise rechtfertigen.
Gleichzeitig möchte ich aber betonen, dass die GfbV ihr Motto "Auf keinem
Auge blind" sehr ernst nimmt und alle an Minderheiten und ethnischen oder
religiösen Gruppen verübte Verbrechen verurteilt. Dabei prangert die GfbV
grundsätzlich ALLE dafür verantwortlichen Regime, eben auch linke
(sozialistische und kommunistische), an. In diesem Zusammenhang ist auch
festzuhalten, dass hinsichtlich der Opferzahlen die "linken" den "rechten"
Verbrecherregimen um nichts nachstehen bzw. diese sogar übertreffen. Aus
diesem Grund schätze ich die Anzahl der verbalen rassistischen Ausfälle auch
im "linken" Lager sehr hoch ein, denn damit wird ja der Boden für die
Verbrechen aufbereitet. Frau Volgger wäre daher gut beraten, auch in diesem
Spektrum alle Aussagen diverser Funktionäre auf die Goldwaage zu legen.
In Österreich hat die GfbV weder zur FPÖ, noch zu rechten bzw.
rechtsradikalen Organisationen Kontakte: Diese Tatsache ist jederzeit
überprüfbar. Im Gegenteil: Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat z.B.
wiederholt die FPÖ wegen ausländer-, minderheitenfeindlicher und
rassistischer Politik scharf kritisiert. Wir wären auch schlecht beraten,
wenn wir das Erbe unseres verstorbenen jüdischen Präsidenten, des
renommierten Zukunftsforschers und engagierten Kämpfers für die
Menschenrechte, Prof. Robert Jungk, entehren würden.
Was den Anlassfall betrifft, nämlich die Entgegennahme des
Menschenrechtspreises der deutschen Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) an
den Generalsekretär der GfbV-D, Tilman Zülch, möchte ich feststellen:
a) Da ich die Situation in Deutschland nicht so genau kenne, habe ich mich
in der Zwischenzeit näher informiert. Tilman Zülch ist als Preisträger für
den Menschenrechtspreis der deutschen SL der Nachfolger der in der
Zwischenzeit verstorbenen* Emilie Schindler, der Ehefrau von Oskar
Schindler. Letzterer hat bekanntlich Tausenden Juden das Leben gerettet,
indem er sie dem Zugriff der Nazi-Schergen entzog. Diese Preisverleihung
spricht offensichtlich für die Lernfähigkeit der deutschen SL. Einer
Organisation, die eine solche Entscheidung trifft (nämlich eine Auszeichnung
für die Rettung von Juden) kann ich daher beim besten Willen aktuell keine
Nazi-Verherrlichung oder Ähnliches vorwerfen. Auch die Nachfolge von Tilman
Zülch sehe ich unter diesem Aspekt. Der Generalsekretär der GfbV-D war einer
der maßgeblichsten Initiatoren für die Anerkennung der Sinti & Roma** als
Nazi-Opfer, er hat stets mit aller Entschiedenheit die Verbrechen des
Hitler-Regimes verurteilt. Bis heute arbeitet er mit jüdischen
Organisationen zusammen (z.B. aktuell mit "Jews against Genocide"), und er
steht seit Jahren mit Marek Edelmann (in leitender Funktion beim Aufstand im
Warschauer Ghetto) und insbesondere mit Simon Wiesenthal in engstem Kontakt.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der Vorwurf rechter Verbindungen
der GfbV ist daher auch in diesem Lichte absurd. Auch in seiner Preisrede
hat Tilman Zülch in keiner Weise den Holocaust oder sonstige Verbrechen der
Nazis verharmlost bzw. Sympathien für rechtes Gedankengut erkennen lassen,
sondern im Gegenteil auch hier die Verbrechen der Nazis in aller Schärfe
verurteilt. Im Bayrischen Fernsehen war übrigens am 30. Mai ein Bericht über
den 54. Sudetendeutschen Tag (mit 80.000 TeilnehmerInnen) zu sehen. Unter
anderem wurde dort auf einer Großbildleinwand eine Gruß- und
Unterstützungsbotschaft des Präsidenten des Europäischen Parlaments Pat Cox
gezeigt. Und es ist außerdem kein Geheimnis, dass zahlreiche
SPD/CDU/CSU-PolitikerInnen Mitglieder und Funktionäre in der deutschen SL
sind.
b) Die GfbV-Ö wurde übrigens 1991 für Verdienste um die Menschenrechte von
der Dr. Bruno Kreisky Stiftung mit einem Geldpreis ausgezeichnet; also von
einer "linken" Organisation. Kein Medium abseits des linken mainstream ist
dabei auf die groteske Idee gekommen, uns deswegen
"linksradikal-rassistische" Verbindungen *** oder Ähnliches vorzuwerfen.
Gesetze, Dekrete und Verordnungen bleiben Unrecht, auch wenn die Motivation
zur Erlassung von früherem Unrecht herrührt. Jede andere Handhabung wäre
absurd (meine bescheidene Meinung als Jurist). Das heißt im Fall der
Benes-Dekrete, dass sie nicht besser oder akzeptabel werden, weil es unter
der Sudetendeutschen Volksgruppe - leider - noch immer Menschen gibt, die
der Nazi-Ideologie nahe stehen oder weil der Kärntner Landeshauptmann Jörg
Haider, deren Aufhebung fordert (so schräg hat Frau Volgger argumentiert).
Übrigens hat auch das Europäische Parlament die Existenzberechtigung der
Benes-Dekrete für nichtig erklärt, da sie mit den Menschenrechtsprinzipien
unvereinbar sind. Und am 19.6. hat selbst die tschechische Regierung die
Erklärung abgegeben, dass aus heutiger Sicht Vorkommnisse im II.Weltkrieg
inakzeptabel sind und nahm damit offensichtlich Bezug auf die Vertreibung
der Sudetendeutschen.Abschließend erwarte ich, dass sowohl der MUND als auch AKIN aus Gründen der
Fairness diese Stellungsnahme in ihren Medien veröffentlichen, nachdem beide
Medien die Anschuldigungen ohne jede Rücksprache bzw. Abklärung der Vorwürfe
mit der GfbV veröffentlicht haben.
Dr. Hans Bogenreiter, Geschäftsführer und leitender Redakteur der
Vereinszeitung BEDROHTE VÖLKER
Beilage: Preisrede von Tilman Zülch

PS: Die Antwort hat leider auch etwas gedauert, weil ich wirklich
Wichtigeres zu tun hatte, als haltlose Anschuldigungen zu beantworten.
* was Frau Volgger offensichtlich nicht bekannt ist. Daher ist ihre saloppe
Schlußfolgerung, Frau Schindler müsse bereits altersbedingt naiv sein,
besonders bschämend.
** Für diesen Einsatz wurde Tilman Zülch übrigens von rechten Ewig-Gestrigen
beschimpft und geschmäht ("Warum setzen Sie sich für so ein Gesindel ein?")
*** unter Berufung auf ausländerfeindliche oder rassistische Aussagen von
SPÖ-Funktionären, die es ja auch gibt.
Gesellschaft für bedrohte Völker
Untere Viaduktg.53/7A
A1030 Wien
Tel+ Fax.: +43/1/503 1336
e-mail: gfbv.austria@chello.at
www.gfbv.at

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09 einige belege für die "lernfähigkeit" der sudetendeutschen
landsmannschaft
From: claudia.volgger@chello.at
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herr horst rudolf übelacker ist vorsitzender des witiko-bundes und
bundesvorstandsmitglied der sl. zitate aus seiner rede im rahmen des
sudetendeutschen tages 2002:
zum massaker von lidice: "Die Reaktionen auf die Ermordung Heydrichs waren
vorausberechnet, und sie fanden auch so statt. Natürlich. Sollte, muß man
sich mal fragen, die Reichsregierung ein
Dankschreiben an die Mörder richten?"
zu den verbrechen sudetendeutscher ss- und wehrmachstangehöriger:
"Und da gibt's Leute, die sagen, die Sudetendeutschen waren beim Einmarsch
in Prag dabei. Waren sie beim Einmarsch in Prag denn dabei auf
sudetendeutschen Befehl? Nein, sie waren, wenn überhaupt, dabei auf Berliner
Befehl. Was hat ein Sudetendeutscher, eine sudetendeutsche Volksgruppe damit
zu tun? Nichts hat der damit zu tun. Und wieso müssen sich sudetendeutsche
Spitzenpolitiker entschuldigen für die angebliche - ich sage angebliche! -
Teilnahme von Sudetendeutschen an NS-Verbrechen? Das ist unerfindlich, und
das entspricht nicht ihren Aufgaben, die sie als Spitzenfunktionäre
übernommen haben. Die sollen in sich gehen und sollen das überprüfen und
sollen das künftig unterlassen."
zum münchner abkommen:
"Es ist geradezu eine Notwendigkeit gewesen im Jahre 1938, dass die
Sudetendeutschen die Vereinigung mit Deutschland gewollt und erhalten
haben."
zur annexion der tschechoslowakei durch hitler:
"Übrigens, ich habe heute gehört - es hat mich fast vom Stuhl gerissen - daß
Deutschland die Rest-Tscheche annektierte. Die haben noch nichts davon
gehört, daß es ein selbständiger Staat war, der lediglich kein
Kriegsministerium und kein Außenministerium hatte, dessen er beim
Protektoratsstatus auch nicht bedurfte. Damit war er außenpolitisch keine
Gefahr, und innenpolitisch lief alles so hervorragend, daß die Londoner
Exilregierung Benes Mörder ausbilden lassen mußte und über Prag oder in der
Nähe von Prag abspringen lassen mußte, um Reinhard Heydrich zu ermorden,
damit endlich etwas Zwist zwischen die Deutschen und Tschechen kommt".
und zum schluss noch ein zitat des bundesobmanns der sl in österreich,
gerhard zeihsel, vormaliger fpö-landtagsabgeordneter in wien:
"Die seinerzeitige CSR hätte Hitlers Eingreifen verhindern können, wenn sie
einerseits ihren Versprechen über die Behandlung der Deutschen in der CSR
gegenüber der Friedenskonferenz im Jahr 1918 und andererseits der
Autonomieforderung der Sudetendeutschen - wie Italien mit Südtirol -
nachgekommen wäre....die CSR (hat) mit ihrem starren Verhalten Hitler die
Tore geöffnet, sich als Konfliktlöser einzuschalten".


Redaktionsschluss: 23. Juni 2003, 23.00 Uhr
Diese Ausgabe hat Claudia Volgger widerstand@no-racism.net
zusammengestellt



Fehler möge frau/man mir nachsehen!